30.04.11: Erleichterte Arbeitsmarktzulassungsverfahren: Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz Stiftung fordert verbindliche Sprachtests für ausländische Pflegekräfte

Die Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz Stiftung fordert Arbeitsministerin Ursula von der Leyen auf, das ab dem 1. Mai 2011 in Kraft tretende Arbeitsmarktzulassungsverfahren im Pflegebereich an Bedingungen zu knüpfen. Ab 1. Mai brauchen Menschen aus Litauen, Estland, Lettland, Polen, der slowakischen Republik, Slowenien, der tschechischen Republik und Ungarn keine Arbeitsgenehmigung der EU mehr einholen, sondern können sich auf ihre Grundfreiheit als Unionsbürger berufen.

Konkret fordert die Organisation daher Sprachtests für pflegende Arbeitskräfte aus Osteuropa. Diese Tests seien unumgänglich, denn Sprache sei die Basis für eine gute Pflege. „Selbst beim Essen reichen kommt es auf die gute Verständigung an. Die neuen Arbeitskräfte aus Osteuropa müssen zumindest Grundkenntnisse der deutschen Sprache nachweisen können“, erklärte der Geschäftsführende Vorstand der Stiftung, Eugen Brysch, in einer Pressemitteilung vom 29.04.11.

Menschen müssen sich verstanden fühlen

Schon bei der Basispflege müssten die Menschen sich verstanden fühlen, ansonsten könne das schlimme Auswirkungen haben. Dramatisch werde es für Pflegebedürftige, die den Zweiten Weltkrieg im Osten verbringen mussten. „Bei ihnen wird das Trauma der Vergangenheit von Flucht und Vertreibung beim Hören der Fremdsprachen wieder aufleben“, befürchtet Brysch.

Noch gravierender seien die Sprachhindernisse bei demenzkranken Patienten. „Wie Arbeitsministerin von der Leyen aus eigener Erfahrung mit ihrem demenzkranken Vater weiß, brauchen gerade Menschen, die an Demenz leiden, viel Zuspruch und zwar in einer Sprache, die sie verstehen. Momentan sind 70 Prozent der in Pflegeheimen untergebrachten alten Menschen dementiell erkrankt und die Zahl wird mittelfristig noch auf 85 Prozent ansteigen“, so Brysch weiter.

Die Patientenschutzorganisation befürchtet außerdem, dass die Qualifikation der Pflegekräfte aus dem Ausland nicht den heimischen Standards entspricht. „Wir wollen die Besten der Besten. Doch die besten Pflegekräfte sind bereits in andere europäische Länder gegangen, da Deutschland eines der letzten Länder ist, das das Gesetz zur Arbeitnehmerfreizügigkeit erneuert. Ich befürchte, dass nur noch Hilfskräfte nach Deutschland kommen werden“, meint Brysch.

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Zur Rubrik menschenwürdige Pflege, Pflegemissstände und Pflegereform