10.09.09: Weltsuizidpräventionstag 2009: Angst vor Pflege darf nicht zum Suizid führen

10.09.09: Weltsuizidpräventionstag am 10. September: Angst vor Pflege darf nicht zum Suizid führen

Anlässlich des Weltsuizidpräventionstages am 10. September hat die Deutsche Hospiz Stiftung dazu aufgefordert, endlich auf politischer Ebene Maßnahmen gegen die steigende Zahl von Selbsttötungen unter alten Menschen zu ergreifen. „Die Situation spitzt sich von Jahr zu Jahr zu. Die Fakten liegen auf dem Tisch, doch unternommen wird nichts“, erklärte der Geschäftsführer der Deutschen Hospiz Stiftung, Eugen Brysch, in einer Pressemitteilung vom 09.09.09. Unter den rund 10.000 Menschen, die sich in Deutschland jedes Jahr selbst töten, seien überproportional viele Senioren. Das fordere politisches Handeln.

„Wir wissen, dass ein Suizid fast immer ein verzweifelter Ruf nach Hilfe ist. Es ist allerhöchste Zeit, die Sorgen und Nöte der alten Menschen ernst zu nehmen“, so Brysch. In diesem Zusammenhang weist die Stiftung darauf hin, dass 20 Prozent der Menschen, die in Deutschland leben, 65 Jahre und älter sind. Seit Jahren sei bekannt, dass sie besonders suizidgefährdet sind. Von den Menschen, die sich im Jahr 2000 selbst töteten, waren laut der Stiftung 30 Prozent über 65 Jahre alt. Seither ist ihr Anteil noch gestiegen – auf zuletzt 36 Prozent.

„Viele fürchten sich vor Einsamkeit, Abhängigkeit und einer Pflege, die auf ihre individuellen Bedürfnisse nicht eingehen kann. Ein die Würde wahrendes Pflegesystem wäre die richtige Antwort auf diese Ängste“, erklärte Brysch. Er appellierte an die Politik, hieran endlich mit Entschlossenheit zu arbeiten und nicht einer Kosten-Nutzen-Diskussion Raum zu geben.

Gleichzeitig fordert Brysch, die organisierte Suizidbeihilfe schleunigst zu verbieten und „der Geschäftemacherei mit der Angst“ ein für allemal einen Riegel vorzuschieben. Es sei eine Schande, dass dies bislang noch nicht geschehen ist. Er erinnerte daran, dass im Juli vergangenen Jahres der Bundesrat zwar mit großer Mehrheit den Entschluss gefasst hatte, gesetzgeberisch tätig zu werden, dass das Thema aber seither nicht mehr auf der Tagesordnung stand. „So leichtfertig seine Pflichten zu missachten, ist unverantwortlich den Menschen gegenüber“, kritisierte Brysch.

Mit dem Weltsuizidpräventionstag am 10. September soll weltweit das Engagement und die Aktivitäten in der Suizidprävention gefördert werden. Nach Angaben der Internationalen Assoziation für Suizidprävention (IASP), nehmen sich durchschnittlich täglich nahezu 3000 Menschen das Leben. Auf jeden vollzogenen Suizid kommen mindestens 20 Suizidversuche.

Die IASP, die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und weitere Fürsprecher treten für eine Suizidprävention ein, welche eine adäquate Behandlung und eine Nachsorge für Menschen berücksichtigt, die eine suizidale Krise erlebt haben, sowie für eine verantwortungsbewusste Darstellung des Themas Suizid in den Medien.

In einer Erklärung der IASP für diesen Tag fordern die Organisationen, auf globaler Ebene notwendig bewußt zu machen, dass der Suizid als eine der häufigsten Ursachen des unnatürlichen Tod gilt, für die Prävention möglich ist. „Auf politischer Ebene ist es notwendig Rahmenbedingungen für nationale Suizidpräventionsstrategien zu entwickeln. Auf der lokalen Ebene müssen Grundsatzprogramme und Forschungsergebnisse in Präventionsprogramme und lokale Aktivitäten umgesetzt werden“, heißt es in der Erklärung.

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